Erschreckende Klarheit
8 Jahre Gemeinsamkeit. Nicht immer leicht, doch alle Hürden waren gemeistert. Seit Wochen leben wir nur noch nebeneinander. Ich arbeite zu viel, sie auch. Immer wieder stelle ich mir die Frage, warum sind wir noch zusammen? Nur aus Gewohnheit? Und wenn ja: Ist es das überhaupt wert? Es hat Zeit gebraucht die Frage zu beantworten. Ich liebe sie – auch wenn ich das zwischendurch vergessen hatte oder mir einfach nur zu sicher war. Dennoch weiß ich nicht, was sie umtreibt. Sie spricht nicht mit mir, ist eher verschlossen. Ich wüsste nur zu gern, was sie denkt und fühlt. Sie sagt, sie fühlt sich vernachlässigt. Meine Aufmerksamkeit lässt sie kalt. Sie sucht sich Bestätigung bei Anderen. Ich bin verletzt. Ich stelle sie zur Rede, sie versteht mein Problem nicht. Ich bin frustriert, kämpfe mit meinen Emotionen. Würde am liebsten vor dem Schmerz und dem Kloß im Hals weglaufen. Lieber gestern als morgen. Sie liebt mich nicht mehr. Nie war mir das klarer als heute. Längst segeln wir im Meer des Lebens in verschiedene Richtungen. Zu spät um das Ruder herumzureißen und Kurskorrekturen vorzunehmen. Ich fühle mich machtlos. Hilflos sehe ich zu, was unvermeindlich passieren wird. So wie man ein Gewitter am Horizont aufziehen sieht, lange bevor der erste Regen dem trockenen Gras zu neuem Grün verhilft. Wir waren zu zweit, nun fahre ich allein. Mir fehlt ein Stück, ich vermisse es!
(Czestochowa/ Polen, 7. Juni 2009 03:00)
