Preiswürdiges Tötungsgerät
Bei der Verleihung des diesjährigen “Preises für die beste Dokumentation” (Dokupreis) des tekom e.V. in Wiesbaden kam es zu einem kleinen Eklat. Die Waffenschmiede Heckler & Koch hat einen der in der begehrten Dokupreise für die Anleitung der Pistolen P30/ P30L erhalten. Angeblich wurde ein zur Preisverleihung anwesendes TV-Team von “Report Mainz” des Saales verwiesen. Hintergrund für die Unstimmigkeiten ist jedoch nicht nur die Verleihung des Preises an eine Waffenschmiede, sondern auch der Umstand, wie es zum Preis kam.
H&K hat sich vor Einreichung die Bedienungsanleitungen für den Dokupreis Rat bei Jury-Mitgliedern gesucht. Prof. Jürgen Muthig, der auch Vorsitzender der tekom ist, übernimmt von H&K den Auftrag und optimiert die Bedienungsanleitungen für einen Gegenwert von 4800 € (Tagessatz: 1200 €). Ansich nichts verwerfliches, sondern vielmehr eine durchaus übliche Dienstleistung. Prof. Muthig selbst, war nicht als Jury-Mitglied an der Preisvergabe beteiligt, allerdings steht er dem Gremium vor, dass den Preisbeirat und die Jury benennt.
Sofern Prof. Muthig von der Einreichung der Anleitung durch H&K wusste, wäre hier sicherlich ein kollegialer Hinweis an die Jury ratsam gewesen. Aber auch andere Jury-Mitglieder, die durch H&K im Vorfeld angesprochen wurden, hätten auf die Problematik hinweisen können und müssen.
Neben dem Makel, der durch die scheinbare Einflussnahme von H&K nun an dem Dokupreis haftet, sollte sich die tekom vielleicht einmal grundsätzlich die Frage stellen, ob Tötungsgerät ansich preiswürdig ist und ob und wie zukünftig die Einflussnahme von Unternehmen auf die Preisvergabe unterbunden werden kann.

on November 19th, 2009 at 15:09
[...] via Preiswürdiges Tötungsgerät | damn1337.de. [...]
on Juli 14th, 2011 at 14:20
…nettes Video.
Zu dumm nur, dass es bei dem Preis um die DOKUMENTATION geht und nicht um das Produkt selbst. Wenn die Doku technisch gut ist, warum soll sie dann keinen Preis bekommen? Da sitzen genauso Menschen dahinter, die viel gelernt haben um gute Dokus zu schreiben und so auch u. A. Leben zu retten, indem sie die Fehlbedienung des Produktes verhindern. :wink:
Und was scheinbar jeder immer wieder vergisst: Es sind nicht die Waffen, die Menschen umbringen (und schon gar nicht deren Dokumentationen), sondern die Menschen, die den Abzug der Waffen drücken.
on Juli 15th, 2011 at 02:12
@Technische Redakteurin aus BW:
Es ist gar nicht dumm, dass es bei der Preisverleihung nur um die Dokumentation der Pistolen P30/ P30L ging. Im vorliegenden Text geht es insbesondere um den vermeintlichen Versuch der Einflussnahme des Waffenherstellers Heckler & Koch auf die Jury des “Preises für die beste Dokumentation” und nicht um die beste Schusswaffe des Jahres 2009. Meines Erachtens nach würde unser Branchenpreis ad absurdum geführt werden, wenn es nur eine Frage der finanziellen Mitteln wäre, seine eigene Dokumentation preiswürdig zu optimieren. Seit diesem Vorgang ein gewisser Makel am Dokupreis.
Auch halte ich es vom Anforderungsgrad für einfacher eine Dokumentation für eine Schusswaffe, als für eine Blistermaschine oder Schienenfahrzeug preiswürdig zu optimieren. Das würde ich allein durch den Funktionsumfang des Gerätes und dem daraus resultierenden Umfang der Dokumentation schlussfolgern.
Dokumentationen sollen vor Fehlverhalten des Nutzers schützen und Schaden abwenden. Bei einer Schusswaffe kann man nur Schaden vom Nutzer abwenden, wenn er nicht auf sich selbst schießt – aber im Grundsatz ist der bestimmungsgemäße Gebrauch einer Schusswaffe eben schon das Schießen auf etwas oder jemanden.